Merry Christmas from the whole bambúTeam and a Happy New Year 2009 !
Workshops und Ausstellung 2008 - REPORT
Liebe Unterstützer des bambúProjektes,
die Workshops und die anschließende Ausstellung sind ein voller Erfolg gewesen und zur Zufriedenheit aller Beteiligten verlaufen. Vor allem für die Kinder war es eine schöne und wichtige Erfahrung. Dies haben wir nur Dank Ihrer großzügigen Unterstützung schaffen können! Wir möchten uns hiermit ganz herzlich bedanken!
Hier nun ein Bericht darüber, was wir genau gemacht haben.
Nach langen Vorbereitungen begann unser Künstlerteam am 16. August mit den Workshops. Für insgesamt sechs aufeinanderfolgende Wochenenden wurden die 17 Kinder (Jungen und Mädchen zwischen 9 und 13 Jahre) mit einem gemieteten Kleinbus direkt vom Straßenkinderprojekt »Proyecto Salesiano: Chicos de la Calle« abgeholt und nach 90 Minuten Fahrt auf die in der Nähe des Dorfes Nanegalito liegende Finka von Eduardo Torres gebracht. Die Finka liegt im ecuadorianischen Bergnebelwald zwei Stunden nordwestlich von Quito, wo sich ein üppiges und teilsweise unberührtes Ökosystem befindet. Samstag und Sonntag wurde auf der Finka und dem umgebenden Gebiet geforscht, experimentiert, gemalt, gezeichnet, fotografiert, getüftelt. Gemeinsam mit den Künstlerinnen Neus Cortes und Silvia Santonja aus Valencia (Spanien) und dem Hamburger Künstler Niklas Hausser konnten verschiedene Herangehensweisen künstlerischer Ausdrucksformen untersucht und angewandt werden. Nach diesem ersten Kennenlernen wurden drei Gruppen gebildet, die sich für die restliche Zeit auf ein künstlerisches Gebiet festlegte. Die Kinder konnten sich für einen der drei Workshops entscheiden. Neus betreute die Gruppe Malerei, Silvia arbeitete mit einer Gruppe an Skulpturen und Zeichnungen und Niklas führte an den Umgang mit analogen und digitalen Fotokameras heran, wobei er die Bildfindung schließlich den Kindern überließ.
Die anfängliche Scheu gegenüber den Leitern und der Technik wich schnell einer dynamischen Atmosphäre von Neugier und Experimentierfreude. An den Abenden und zwischendurch gab es andere Aktivitäten: selbstreflexive Gruppenaktionen, Baden im Fluss, Fußball spielen, durch den Wald laufen, Lagerfeuer machen und Diashows mit Fotos vom Tag ansehen. Es war nicht nur eine produktive, sondern auch eine herzliche Atmosphäre, die dazu führte, das sich Silvia auch wochentags mit den Kindern traf, um etwas über deren Alltag zu lernen und um gemeinsam Material für die Skulpturen ausfindig zu machen.
In der Fotografiegruppe wurden nach einer sehr kurzen Einführung in die Funktionsweise von Kameras von den sechs Kindern und dem Künstler gemeinsam Bilder mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR) gemacht. Einige – inszenierte und freie – Aufnahmen später gab es eine Diskussion über das entstandene Bildmaterial. Grundsätzliche Aspekte wie Komposition und Farben, Vorder-, Mittel- und Hintergrund etc. konnten an konkreten Beispielen erläutert werden. Die Kinder sollten anhand der Techniken eigene Wege finden können, wobei die Grundlagen als Hilfe beim Einstieg wie beim Experimentieren dienten. Durch die Möglichkeit direkt nach der Aufnahme das Ergebnis zu sehen (LCD-Monitor), konnte unmittelbar Einfluss auf das Bildergebnis genommen werden. Vom Fotografieren mit analogen Einwegkameras über das Arbeiten mit der DSLR-Kamera in der Gruppe bis zur Realisierung eigener Aufnahmen mit digitalen Kompaktkameras zu Hause, in der Familie oder auf der Strasse – überall entstanden ästhetisch beeindruckende Arbeiten.
Zusammen mit den Gemälden und den Skulpturen der anderen beiden Gruppen wurden die Fotografien in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, ausgestellt. Unter dem Titel »Yo veo esto – tu que ves?« (Ich sehe das – was siehst du?) waren die Arbeiten vom 8. bis zum 25. Oktober 2008 im Centro Cultural Metropolitano, dem renommiertesten Museum für Kunst und Kultur der Stadt, zu sehen. Unterstützt und eröffnet wurde die äußerst publikumswirksame Ausstellung vom deutschen Botschafter in Ecuador Christian Berger unter Anwesenheit aller zwanzig Künstler/innen. Das Kulturdezernat der Stadt stellte uns uns Flyer und Plakate für die Ausstellung zur Verfügung. Die Ausstellung selber wurde also viel größer als erwartet.
Besonders schön war es dabei, die Kinder zu sehen. Diese Kinder, die normalerweise - wenn überhaupt - verächtliche oder auch mitleidige Blicke bekommen, konnten ihre Arbeiten darstellen, die Besucher hörten ihnen zu und brachten ihnen Interesse entgegen. Damit haben wir hoffentlich dazu beigetragen, den gleichgültigen Blick, mit dem diese Kinder oft gesehen werden, zu verändern und die Kinder als die sensiblen und kreativen Individuen sichtbar zu machen, die sie sind. Die Ausstellung war also eine große Bestätigung unseres Projektes und unserer Idee; die größte Bestätigung erhielten wir aber im Nachhinein, als uns Edison Flores, der Betreuer vom Straßenkinderprojekt, erzählte, dass einige Eltern von unseren Kindern auf ihn zugegangen wären, um ihm zu erzählen, wie ausgeglichen und fröhlich ihre Kinder seit kurzem seien.
Die Kinder erreicht, ihr Selbstwertgefühl gesteigert und sie damit in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt zu haben, das ist für uns die schönste und wichtigste Bestätigung und gleichzeitig Motivation weiter zu machen!
Wir bedanken und ganz herzlich für Ihre Unterstützung, ohne die dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre! Eine Videodokumentation zu den Workshops und der Ausstellung von Marcelo Oviedo finden Sie auf unserer Webseite www.bambuprojekt.org.
Wir sind derzeit mit den Vorbereitungen für neue Workshops im nächsten Jahr beschäftigt und wir hoffen, dass wir weiterhin Gelegenheit haben werden, unser Projekt voranzutreiben und auszubauen. Unsere Hoffnung ist, dass einige der Kinder bald so weit sind, dass sie selber Workshops mitleiten und andere Kinder unterstützen können. Wir haben viele neue Freunde in Quito gefunden, die uns vor Ort unterstützen und uns helfen wollen, dass Projekt lokal nachhaltig zu gestalten.
Das Ziel des bambúProjektes umfasst verschiedene Aspekte:
Zum einen soll unterprivilegierten Kindern, die auf der Straße arbeiten und/ oder leben, eine Möglichkeit an die Hand gegeben werden, im Austausch mit Künstler/innen neue Erfahrungen zu machen, ein anderes Umfeld/eine andere Umwelt kennenzulernen. Die Stärkung des Selbstwertgefühls steht dabei im Mittelpunkt, erleben diese Kinder in ihrem Alltag doch weder Bestätigung noch Zuspruch, sondern meist Ablehnung oder – im besten Fall – vollkommenes Ignoriertwerden. Daher auch der zweite zentrale Aspekt des bambúProjektes: den Kindern durch das Ausstellen ihrer Arbeiten eine Plattform zu geben, die Dialoge ermöglicht, eine Plattform sowohl für die Kinder als auch für die Besucher, seien es Bewohner, Touristen, Angestellte, Verkäufer, Taxifahrer, Diplomaten, Arbeitslose oder Künstler. Durch die Begegnung auf einer anderen neuen Ebene findet eine Öffnung statt, können einige Dinge klarer hervortreten, Verständnis gefördert werden und insbesondere wird den Beteiligten wie Besuchern die Unmöglichkeit deutlich, Menschen per se nach dem Augenschein zu beurteilen. Durch die Kunst lässt sich plötzlich vieles verstehen, was vorher schwierig zu beschreiben war.
Das »Proyecto Salesiano«, in dem die Kinder einen Anlaufpunkt haben und wo sie Bildung wie auch Verpflegung bekommen, wird die Bereiche in denen während des bambúProjekts gearbeitet wurde in Zukunft weiter anbieten, so dass die Kinder ihre im Projektverlauf entwickelten Fähigkeiten erweitern und im nächsten Jahr weitermachen können – gemeinsam mit anderen Kindern, denen sie dann neue Wege zeigen.
bambúProjekt e.V. ist gemeinnütziger Verein mit Sitz in Hamburg. Auf Initiative von Lorena Torres wurde der Verein von Studierenden der Hochschule für bildende Künste und der Universität Hamburg im Januar 2008 gegründet. Er hat aktive Mitglieder in Deutschland, Spanien, Ecuador, der Schweiz, Dänemark und den USA. Der Verein realisiert seine Projekte über Spenden und die unermüdliche Volontärsarbeit seiner Mitglieder.
Bei Neuigkeiten wird es in Zukunft eine eMail geben, wenn ihr die Up-to-Date-Mails nicht bekommen möchtet, bitte einfach eine Mail an newsletter@bambuprojekt.org schicken und ihr werdet von der Liste genommen.
Allen also ein Frohes Fest, ruhige Feiertage und einen guten Rutsch 2009!!
Hasta la Proxima !
das bambúTeam